Positionen

Der Energiekonzern Vattenfall plant derzeit hinter verschlossenen Türen den Bau eines neuen Kohlekraftwerks mitten in Berlin. Es soll neben dem bestehenden Heizkraftwerk Klingenberg im Bezirk Lichtenberg entstehen und dieses mittelfristig ersetzen, voraussichtlich mit einer erheblichen Kapazitätsausweitung bei der Stromerzeugung.

 

Wir lehnen den Bau eines neuen Kohlekraftwerkes gleich welcher Größe an dieser und auch an anderer Stelle in Berlin ab.

 

Eine dynamische, weltoffene und moderne Großstadt wie Berlin muss voran gehen, wenn es darum geht, Lebensqualität, technologischen Fortschritt und Verantwortungsbewusstsein sowohl für kommende Generationen als auch für Menschen in anderen Ländern der Erde zu verbinden.


Wir fordern die demokratischen Parteien, den Senat und die Bezirke auf sicherzustellen, dass im Rahmen einer breiten öffentlichen Diskussion ein zukunftsorientiertes Energiekonzept für Berlin erstellt wird, das sowohl auf fortschrittliche wirtschaftliche Entwicklung und soziale Gerechtigkeit als auch auf Klima- und Umweltschutz setzt. Ein neues Kohlekraftwerk findet darin keinen Platz!

 

Aus diesen Gründen lehnen wir den Bau eines neuen Kohlekraftwerkes ab:

 

  1. Klimaschutz: Ein neues Kohlekraftwerk in Berlin würde über mehrere Jahrzehnte hinweg jährlich Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid emittieren. Deshalb stehen neue Kohlekraftwerke in unauflösbarem Widerspruch zu den Klimaschutzzielen, zu denen sich die Bundesregierung international verpflichtet hat - nämlich die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent zu reduzieren. Berlin hat sich als eine der 40 größten Städte der Welt auf der Klimakonferenz 2007 in Bali verpflichtet, den Ausstoß von Kohlendioxid bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent gegenüber der Menge von 1990 zu verringern.

 

 

Globale Verantwortung: Die Industriestaaten sind für den Großteil der globalen Kohlendioxidemissionen verantwortlich und damit für den beschleunigten Klimawandel. Die negativen Folgen der Verschmutzung unserer Atmosphäre zeigen sich u.a. in häufigeren Naturkatastrophen wie Dürren, Überschwemmungen und Stürmen und treffen die armen und ärmsten Länder und deren Bevölkerung besonders hart. Insofern sind wir aus Gründen der Klimagerechtigkeit aufgerufen, in Berlin den strukturellen Umbau der Energieversorgung hin zu erneuerbaren Energien so schnell wie möglich voranzubringen.

 

 

  1. Gesundheit und Lebensqualität: Ein neues Kohlekraftwerk stößt trotz bester verfügbarer Technik und höherem Wirkungsgrad neben Kohlendioxid (CO2) enorme Mengen an Schad- und Giftstoffen (wie Feinstaub, Schwefeldioxid, Stickoxide, Quecksilber, Blei, Arsen, etc.) aus, die die Gesundheit und die Lebensqualität der Menschen massiv gefährden und unserer Umwelt schaden.

 

 

  1. Stadtentwicklung: Kohlekraftwerke stehen einer nachhaltigen Stadtentwicklung entgegen. Ein neues Kohlekraftwerk hat großflächige Bodenversiegelung zur Folge. Gebäude und Kühlturm mit mehr als 100 Metern Höhe beeinträchtigen massiv das städtebauliche Erscheinungsbild. Erheblicher Schadstoffausstoß sowie Schattenwurf durch Kühlturmschwaden und Gebäude wirken sich negativ auf das Stadtklima aus.

 

 

  1. Beschäftigung und Investitionen in die Zukunft: Der Neubau eines Kohlekraftwerks zementiert auf Jahrzehnte hin eine veraltete und klimaschädliche Energieversorgung in Berlin – und lässt wichtige beschäftigungspolitische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungspotentiale ungenutzt. Es gilt, die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz voranzutreiben, denn nur so erreichen wir eine nachhaltige und bezahlbare Energieversorgung, die auch zukunftsfähige Arbeitsplätze in Berlin schafft und sichert.